Fragen zur Ingenieur- und Architekturausbildung an HTW Chur | 22.07.2013

Für eigenständige Studiengänge im Bauingenieurwesen und Architektur an der HTW Chur gibt es zuwenig Studenten.

HTW Chur, Bauingenieurin, Architektur, Studentin

    Für eigenständige Studiengänge im Bauingenieurwesen und Architektur an der HTW Chur gibt es zuwenig Studenten. Dies erklärt die Bündner Kantonsregierung auf eine Anfrage von Grossrat und Bauingenieur Heinz Dudli.

    Heute wird an der HTW Chur ein Studiengang Bau und Gestaltung mit den Vertiefungen Architektur und Bauingenieurwesen geführt. Dieser Studiengang mit 100 Studenten in den beiden Vertiefungsrichtungen sei «für Graubünden ein angepasstes Angebot», erklärte der Grossrat und Bauingenieur Heinz Dudli (Verwaltungsratspräsident der Edy Toscano AG) in seiner Anfrage an die Bündner Kantonsregierung im April 2013.

    «Die Absolventen dieses Studienganges werden nach ihrer ziel- und praxisorientierten Ausbildung durch den Arbeitsmarkt vollständig aufgenommen.» Weil im Bauwesen in Graubünden ein grosser Fachkräftemangel herrscht, sei es «von grosser Bedeutung, dieses Angebot in der sich konkurrenzierenden Fachhochschul-Landschaft Ostschweiz zu erhalten oder sogar auszubauen», betonte Heinz Dudli.

    Nach dem «Upgrading» der Hochschule zur Universität Liechtenstein wurde der Staatsvertrag hinfällig, welcher die Architekturausbildung am Standort Vaduz und das Bauingenieurwesen am Standort Chur festgelegt hatte. Mit dem Nachteil, dass durch die Auflösung des Staatsvertrages die Architekturausbildung innerhalb der Fachhochschule Ostschweiz fehlt, zu der (neben der HTW Chur die Hochschule für Technik Buchs NTB, die Hochschule für Technik Rapperswil HSR und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen FHS gehören).

    Anfrage von Grossrat und Bauingenieur Heinz Dudli an die Bündner Kantonsregierung

    Mit einem im St. Galler Kantonsrat eingereichten Postulat «Wiedereinführung der Architekturausbildung an der Fachhochschule Ostschweiz» seien Bestrebungen im Gange, dieses Angebot in St. Gallen neu aufzubauen, glaubt der Bündner Grossrat und Bauingenieur Heinz Dudli. Und dies könne sich nachteilig für die HTW Chur auswirken.

    Grossrat und Bauingenieur Heinz Dudli fragte deshalb die Bündner Kantonsregierung im April 2013:

    1. Wie viele Bündner besuchen einen Architektur- oder Bauingenieurstudiengang in einer ausserkantonalen Fachhochschule?
    2. Welche Strategie verfolgt die Regierung, um am Standort HTW Chur die Architekturausbildung wieder einzuführen und die Bauingenieurausbildung zu stärken?
    3. Mit welchen Massnahmen will die Regierung in Zukunft eine starke Positionierung der HTW Chur in der Fachhochschule Ostschweiz sicherstellen?

    Grundsätzliche Antwort der Bündner Kantonsregierung auf die Anfrage von Heinz Dudli

    In ihrer Antwort auf die Anfrage von Grossrat Heinz Dudli erklärt die Bündner Kantonsregierung: Die St. Galler Kantonsregierung habe auf das von Heinz Dudli angesprochene Postulat geantwortet, dass es ihr ein Anliegen sei, die FHO als Ganzes zu stärken, weshalb mit einem Bericht dargelegt werden soll, wie die innerhalb der FHO vorhandenen Angebote und Kompetenzen als auch regionale Arbeitsmarktbedürfnisse berücksichtigt werden können.

    Ein neues Ausbildungsangebot müsste gemäss der St.Galler Kantonsregierung die bereits heute in diesem Bereich bestehenden Angebote sinnvoll ergänzen und geografisch so positioniert sein, dass der regional vorhandene Fachkräftemangel behoben werden kann. Zudem wird eine praxisbezogene Ausbildung im Bereich Bauprojektleitung gefordert. Eine kostenneutrale Umsetzung ist anzustreben.

    Unter der Leitung des Direktors der FHO werde nun ein solcher Bericht erarbeitet. Dabei würden die Interessen der lokalen Architekturbüros ermittelt, um das Profil des Ausbildungsganges formulieren zu können. Die bestehenden Angebote der HSR (Bauingenieurwesen, Landschaftsarchitektur, Raumplanung) und der HTW Chur (Bau und Gestaltung) werden berücksichtigt.

    Unbestreitbar sei, so die Bündner Kantonsregierung, dass seitens der Bauwirtschaft eine praxisorientierte Ausbildung gefordert werde und dass mehr junge Leute mit einem entsprechenden Abschluss der Sekundarstufe II (Berufslehre mit Berufsmaturität) ausgebildet werden sollten.

    Antworten der Bündner Kantonsregierung auf die drei Fragen von Heinz Dudli

    1. In den vergangenen Jahren haben zwischen 50 und 60 Bündner ausserhalb des Kantons Graubünden eine Ausbildung in den Studienrichtungen Ingenieurwesen und Architektur besucht.
    2. Die Entwicklung der Studierendenzahlen an der HTW Chur im Bereich Bau und Gestaltung hat gezeigt, dass weder für einen eigenständigen Studiengang Bauingenieurwesen noch einen Studiengang Architektur genügend Nachwuchskräfte vorhanden sind, um die Anerkennungsauflagen des Bundes erfüllen zu können. Deshalb sind auch die Unternehmungen gehalten, mehr Jugendliche auf der Sekundarstufe II im Bereich Bauwesen auszubilden. Andererseits strebt die Kantonsregierung für das Bauwesen gemeinsame Studiengänge innerhalb der FHO an, um Synergien und bereits vorhandene Kompetenzen wirksam nutzen zu können.
    3. In erster Linie wird die Stärke der HTW Chur in der FHO durch die Schule selbst festgelegt, indem sie für die Studierenden attraktive Studiengänge anbietet, exzellente Forschung betreibt und einzigartige Dienstleistungen offeriert. Auf der Grundlage des neugeschaffenen kantonalen Hochschul- und Forschungsgesetzes (GHF) setzt sich die Bündner Kantonsregierung für unternehmerischen Spielraum der HTW Chur innerhalb der FHO ein. Allerdings sind dabei die Vorgaben des neugeschaffenen Bundesgesetzes über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich (HFKG) zu beachten, welches in Art. 28 Abs. 2 festlegt, dass eine institutionelle Akkreditierung die Voraussetzung für das Bezeichnungsrecht und die Gewährung von Bundesbeiträgen ist. Als Teilschule der FHO ist somit nicht die HTW Chur sondern die FHO als Ganzes zu akkreditieren.

    Auch die HMQ AG sucht Bauingenieure, Raumplaner und Verkehrsplaner

    Im Bauwesen in Graubünden herrscht ein grosser Fachkräftemangel herrscht, erklärte Heinz Dudli in seiner Anfrage (siehe oben). Auch die HMQ AG sucht qualifizierte Bauingenieure, Raumplaner und Verkehrsplaner.

    Wir sind ein national tätiges Ingenieurunternehmen mit Sitz in den Kantonen Graubünden und Zürich. Unser junges und motiviertes Team sucht zur Ergänzung sowie zur Weiterentwicklung unseres vielfältigen Tätigkeitsfeldes Bauingenieure, Raumplaner und Verkehrsplaner. Möchten Sie Ihr Engagement und Ihre Ideen in unser erfolgreiches Team einbringen? Wir freuen uns auf Ihre schriftliche Bewerbung, gerne auch Online.

    Autor: Jürg Vollmer / HMQ AG, Bündner Kantonsregierung

    Foto: HTW Chur